Now (Österreich)

 
 
Markus Berges: Ein langer Brief an September Nowak

von Sebastian Fasthuber

Debüt des Erdmöbel-Sängers.

Dass er mit Worten umgehen kann, hat Markus Berges als Sänger und Texte der deutschen Popband Erdmöbel schon unter Beweis gestellt. Jetzt verspürte der Germanist und Ex-Lehrer den Drang, einen Roman zu schreiben. Zum Glück ist es keines dieser zwangsoriginellen, verzichtbaren Bücher geworden, wie sie in den letzten Jahren von Musikern bis TV-Moderatoren fast jeder halbwegs bekannte Mensch, der ein paar Sätze aneinanderreihen kann, geschrieben hat. Berges beweist in Ein langer Brief an September Nowak das Talent, Dinge angenehm in der Schwebe zu lassen, nicht alles zu Ende erklären zu müssen. Sein Roman atmet eine Leichtigkeit, wie man sie mit französischen Filmen oder Chansons verbindet. Nicht umsonst ist die Handlung an Côte d’Azur angesiedelt. Dort zieht es die gerade frisch der Schule entkommene Elisabeth, genannt Betti, in ihrem letzten Sommer vor dem Beginn des Arbeitslebens hin. Betti will ihre monegassische Brieffreundin September Nowak besuchen. Doch die entpuppt sich schon am Bahnsteig als Hochstaplerin. Weder ist September schön noch reich, sondern lebt mit ihrer Mutter und ihrer Schwester in einer Sozialwohnung am Rand von Monaco. Betti hält den Betrug nicht aus und zieht alleine los, um die Côte d’Azur unsicher zu machen. Während sie ihr Leben in Freiheit genießt, wird sie selbst zu einer September Nowak, die sich eine neue Identität zusammenfabuliert. Erfrischend.

Rowohlt Berlin, 204 Seiten.

Redaktionswertung: fünf Sterne