Musikexpress

Ein langer Brief an September Nowak
von Markus Berges

Melancholische Sommer-Literatur vom Erdmöbel-Sänger

(fünf von fünf Sternen)

Vielleicht muss man damit anfangen, was dieses Buch nicht ist: Markus Berges, der Texter und Sänger der Kölner Band Erdmöbel, hat mit seinem ersten Roman ganz und gar keine Pop-Literatur geschrieben. Es ist auch nicht die Langform eines Erdmöbel-Textes, obwohl es mit diesen die Genauigkeit im Erzeugen von Stimmungen durch wenige Worte gemein hat. Es ist vor allem ein Roman, der sich geschickt literarischer Mittel bedient und eine melancholische Geschichte über die Willkürlichkeit und Unausweichlichkeit von Identität in federleichten Worten erzählt. Sie spielt im Jahre 1995: die 19-jährige Betti aus Warendorf will ihre glamouröse Brieffreundin aus Monaco treffen. Doch statt der erwarteten September Nowak empfängt sie Nicole, 150 kilo schwer, wohnhaft in einer miesen Gegend von Nizza. Betti zieht weiter, sie legt ihren Namen ab und findet eine Hypnotiseurin, die Gedenkstätte für Walter Benjamin, die Gefahren des Atlantik und der Liebe. Sie gibt Rätsel auf und ihr bleiben Rätsel, doch es ist Sommer, sie reist allein, und es gibt das Glück – zumindest manchmal. Wunderschön!

(Rowohlt Berlin, 208 Seiten, 18,95 Euro)